Rennrad

300 km in der Fremde: Pfaffenwinkel-Rundfahrt 

italiano
„Außigegrost“ … auf gut Südtirolerisch … bedeutet soviel wie „fremdgegangen“, natürlich bezogen auf das Radfahren, was sonst …?

Die Pfaffenwinkel-Rundfahrt – ein 300er Brevet brauchten wir als Quali für unsere MGM-Teilnahme. Warum nicht mal ins nahe Ausland? Mal gucken, wie das mit den Brevets dort läuft. Einen Startplatz konnten wir ergattern und beim Radler-Stammtisch am Abend davor holten wir nicht nur unsere Startunterlagen, sondern machten ein paar Schwätzchen mit unseren Mitradlern.

In Kürze: 
Länge: 317 km
Höhenmeter: 3300 Hm
Strecke: Fast ausschließlich kleinste, asphaltierte Wirtschaftswege und Radwege
Organisatoren: Jörg und Igor der ARA München/Oberbayern
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K800_20180421_080055Morgens um 8 Uhr ging es nahe des Zentrums München los. Wir wechselten einige Worte unter anderm mit Manuel Jekel, der vor zwei Jahren den ansprechenden Bericht über den Solstizio d’inverno im Tour veröffentlicht hatte und damit in vielen deutschen Radler die Lust auf dieses Abenteuer kurz vor Weihnachten geweckt hat. In vier Startgruppen gingen im Abstand von 5 Minuten etwa 90 Leute auf die Strecke und die Tour versprach bei dem Bomben-Wetter wirklich außergewöhnlich schön zu werden.

K800_20180421_100552Aus München waren wir schnell draußen. Und die leicht hügelige Landschaft und die schmalen ganz wenig befahrenen Sträßchen ließen gleich ein Hochgefühl aufkommen. Etwas Quatsche, z.B. mit Ulrich, der so lieb war, uns Quartier zu geben. Dann schlossen wir zu Andy auf, mit dem ich gemeinsam beim Extremtriathlon Celtman gestartet war.

Kurzweilig durch Felder und Wiesen und sonntäglich verschlafene Dörfchen sind wir recht bald bei der ersten Kontrollstelle. Leckere süße Teilchen in der Bäckerei und wir gehen gestärkt an den ersten ernsten Anstieg (abschnittsweise 15% Steigung), den knapp 1000m hohen Hohenpeißenberg, in K800_20180421_130342Anspielung auf eine Erhebung in der Schweiz auch   Bayrischer Rigi genannt. Aber wo ein Anstieg folgt auch eine flotte Abfahrt. Es ist hochsommerlich warm, sodass man nicht mal eine Jacke braucht. Hermann verspricht, nun gehe es abwärts bis zum nächsten Kontrollposten. Immer wieder geht es kleine Hügel hinauf. Was denn? Hermann: Tendenziell abwärts … bis zum nächsten Hügel. Hä???? „Tendenziell abwärts“ wird unser geflügeltes Wort des Tages. Wir fahren entlang dem Lech und der nächste Halt stilgemäß in der Eisdiele Venezia in Lechbruck am See. Die kühle Stärkung belebt das Radfahrer-Herz und K800_20180421_145200die nächsten Kilometer gehen leicht vonstatten. Nun noch was für das Seelenheil … bei der malerisch gelegenen Wieskirche gilt der Pilgerstempel als Beweis in der Brevet-Karte. Durch Wälder und Wiesen schaffen wir es bis zum Abendessen nach Kochel am See. Die Stärkung mit Gulasch-Suppe tut Not, denn nach kurzer Fahrt entlang des Kochelsees folgt die nächste Steigung, die trotz der 200 Kilometer in den Beinen kaum weh tut. Bei Sonnenuntergang-Stimmung ein weiteres Highlight: Als wir über die Bergkante K800_IMG_0103kommen, liegt unter uns der Walchensee, mit 190m einer der tiefsten und auch größten Alpenseen Deutschlands. Wir umrunden ihn nahezu ganz und damit nicht jemand auf die dumme Idee kommt abzukürzen, gibt es auf halbem Weg um den See eine Frage zu beantworten und auf der Karte zu dokumentieren. In die Dämmerung hinein sausen wir nun „tendenziell abwärts“ durch das 15 km lange, idyllische Wald- und Wiesental, die K800_20180421_192806Jachenau. Dann der Isar entlang Richtung Bad Tölz. Nanu? Schon wieder Steigungen? Da hatte ich mir wohl das Höhenprofil zu wenig genau unter die Lupe genommen … Aber gut so, denn jetzt bei hereinbrechender Dunkelheit nehme ich lieber Bergauffahren in Kauf und verkehrslose Sträßchen als auf einer befahreneren Straße das Leben zu riskieren. Samstagnacht sind doch einige in Feierlaune unterwegs. In Wolfratshausen nochmal ein Kontroll-Stopp, diesmal in einem McDonalds. Der Kaffee belebt die Sinne K800_IMG_0106für die letzten 25 Kilometer, die „tendenziell abwärts“ mit nur einer letzten Steigung Richtung Ziel führt. Waldfahrt. Dunkelheit. Und plötzlich nach einer kurzen steilen Abfahrt über die Isarkante steht man sogut wie mitten in München. Fast unwirklich. Es geht scharf rechts auf den Isar-Radweg. Ich bremse und bleibe stehen. Pfffffffft!!!!!!, macht mein Rad. Was? Ach nein! Das kann doch nicht sein. Auf den letzten Kilometern noch einen Platten? Das Geräusch hört sofort wieder auf und der Reifen ist noch prall. Hat sich doch mein schlauchloser Reifen bewährt. Das Loch war in Sekundenschnelle durch die Dichtmilch K800_20180421_202931verschlossen worden. Tolle Erfindung! Entlang der Isar ist die Hölle los. Die gesamte Jugend Münchens muss dort versammelt sein und die Stimmung geht hoch … Wir schlängeln uns irgendwie ins Ziel bei der Aral-Tankstelle. Wenn ich es so recht überlege, nach einer kleinen Stärkung wäre die Kraft noch da weiter zu fahren … mal sehen, wie das nächste Woche wird … aber das ist eine andere Geschichte …
Fazit: Eine wunderbare Randonneé, die bei mir großen Eindruck hinterlassen hat und das nicht nur wegen der schönen Landschaften, sondern vor allem wegen der Streckenführung bis auf wenige Kilometer auf sehr wenig befahrenen Sträßchen, die zudem alle in Top-Zustand waren. Vielen Dank Jörg und Igor!!!

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9 Kommentare zu „300 km in der Fremde: Pfaffenwinkel-Rundfahrt 

  1. Obwohl wir auch ein super Wetter hatten, hat mir mein 400er Brevet nicht gefallen. Umso mehr hat mich Dein Bericht von der Pfaffenwinkel-Rundfahrt begeistert. Ich habe ihn seit Montag 3 mal gelesen und weiß jetzt schon, welches Brevet 2019 in meinem Terminkalender stehen wird. Das ganze mit den passenden Müsliriegeln :). Tolle Bilder und schön geschrieben.

    Danke!!!

  2. „Tendenziell abwärts“ kommt mir sehr bekannt vor. Sowohl als Sender auf Touren mit Oberhand, wie auch als unwillige Konsumentin dieser Worte. Radfahren ist echt abwechslungsreich 🙂
    Danke für den schönen Einblick!

  3. Wie findest du das Simplon GF Disc? Ich fahre seit zwei Jahren das GF mit Felgenbremsen und überlege…. Ich war auch die 300er mitgefahren (und auch letztes Jahr) aber wegen Hitze/Heuschnüpfen dieses Jahr im Kochel aufgegeben:P

    1. Hallo John. Ich habe das Rad erst seit einem halben Jahr, hatte davor auch das Pavo GF mit Felgenbremsen. Fuhr ein Jahr. War sehr zufrieden und habe den Zeitpunkt noch gut erwischt, das andere Rad einzutauschen. Bin sehr zufrieden mit Disc und mit tubeless reifen. wir sind bei der 600er dann wieder dabei …
      (bin Simplonfan, habe das Nexio und MTB Cirex, mein Mann fährt das Inissio)

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