Rennrad

Radfahren vom Feinsten: 6+6 Isole

  strava                      italiano

6+6 Isole. Fast 60 Stunden im Sattel. 1200 Kilometer mit 14.000 Bergaufmetern.
Langsam komme ich von Wolke 7 herunter. Der Alltag hat mich wieder. Die Erinnerungen sind verschwommen und ich weiß eigentlich gar nicht, was ich schreiben soll …

Deshalb zuerst mein Video (9:30min)

Nur soviel …

Die Strecke: Etwa die Hälfte (617km) führt durch Sardinien, die andere ist eine große Runde (591km) auf Sizilien, je mit sehr wenig Schlaf. Dazwischen Fährenüberfahrt und hier wird ordentlich Schlaf nachgeholt bzw. „vorgeschlafen“ …

Landschaft: Ein Traum. Küsten mit azurblauem Meer, karge Täler, üppiges Grün, Blütenpracht, felsige Gipfel. Bunte Kleinstädte, mittelalterliche Dörfchen auf Hügeln. Vergessen möchte ich die Großstädte mit für mich horrendem Verkehr.

Menschen: Nette Helfer, denen oft das Erstaunen ins Gesicht geschrieben ist, wie man so weit fahren kann und das auch noch freiwillig.
Wiedersehen mit Radfreunden. Unterwegs quatschen. Ich höre immer wieder „Ciao, Gabi!“ Die Männer sind im Vorteil, es gibt wenige Frauen. Unsere Namen kann man sich leicht merken. Mein Gedächtnis ist löchrig, zumindest nach einigen Hundert Kilometern … Ich muss immer wieder nach den Namen fragen. Das wird langsam peinlich. Aber mit Helm und Brille und dann wieder ohne … verflixt … die Gesichter kenne ich, aber wie war gleich nochmal der Name? Vielmals um Entschuldigung, wenn ich nächstes Mal schon wieder frage …
Egal, wichtig ist, man hat Spaß miteinander. Man hilft sich gegenseitig. Das ist auch der Unterschied zum Radrennen, bei dem die Konkurrenten sich ausspielen. Hier unterstützt man sich gegenseitig. Hat jemand eine Krise, dann wird er/sie moralisch aufgebaut. Eine Panne? Man hilft sich mit Werkzeug und Fachwissen.

LA SARDEGNA:
Start um Mitternacht von Cagliari, genauer vom Stadtteil Quartu Sant Elena. Es geht die 0ersten 10 km mit Motorradbegleitung nach Norden. Dunkelheit. Es geht durch das Vallico Arcu e Tidu. Ich kann mir nichts vorstellen, habe das Gefühl ich fahre durch Wald hinauf. Dann geht kurvig rasant abwärts. Es ist noch dunkel, als wir die erste Kontrollstelle erreichen: Torre di Bari nach 124km. Hier überraschen uns die lokalen Köstlichkeiten zum Frühstück: Ricotta (ein süßer Quark) und verschiedene Honigsorten. Lecker. Wir fahren nun in den dämmernden Tag hinein. Es geht wieder aufwärts bis auf den Passo di Genna Silana. Immer wieder muss ich stehen bleiben und fotografieren … Landschaftlich geht es wunderschön durch Macchie und Felslandschaften. Dann sind wir in Dorgali. Von hier startet nun eine große Runde über Nuoro wieder zurück. Wenn alles gut geht, sollten wir um Mitternacht wieder hier sein. Es gibt Schlafstellen im Zelt, aber ein Zimmer ist schon gebucht, damit mein Schlaf gerettet ist.
Die Strecke führt duch landwirtschaftlich genutzte Gegenden. Aber nicht direkt nach Nuoro, nein die Strecke macht einen Schwenker nach Südwesten. Wir müssen hoch nach Orgosolo. Der Ort liegt im Zentrum des zerklüfteten Supramonte-Gebirges im Herzen 0ader Barbagia.  Wir bewundern die Murales, die Wandmalereien an den Häuserwänden. Die Werke spiegeln nationale, sozialkritische und historische Inhalte wider. Hier erwartet uns, die brav dem GPX-Track nachfahren, eine Überraschung: Im Dorf zweigt eine Gasse ab, der wir folgen sollen: Ich schaffe es nach kurzer Zeit nicht mehr mich im Sattel zu halten und lege eine Zu-Fuß-Passage ein. Ein argwöhnischer Blick auf meinen Tacho: 25% Steigung!!
Bis Nuoro geht es nun auf und ab. Einsam. Und kein Verkehr. Super. Die Kontrollstelle bei Kilometer 274 überrascht mit einem Spezilalitäten-Tisch, leckeren Pecorino & Co.  Mmmmhmmm!
Noch 140 km und dann Schlafen. Aber 140 km sind ganz schön lang. Anfangs ist die Gegend ein Traum. Große runde Steine eingebettet in Steineichenwälder. Überall ist es grün und blüht es. Schafe. Dann eine lange Abwärtspassage durch ein Tal. Dann steigt die Strecke wieder. Es ist sommerlich warm. Die Kilometer vor uns drücken auf mein Gemüt. So weit noch. Hunger. Durst. Das Dorf Bitti. Eine Bar ist unsere Rettung. Cola und 1Eis. So gestärkt gehen wir die nächsten 100 km an. Wir fahren in einer Gruppe, auch Aynur und Hajo sind mit dabei. Jemand erzählt mir vom Dorf Orgosolo, das wir Stunden zuvor passiert haben: Früher war das Dorf sehr arm. Es wird erzählt, dass  dort fremde Passanten ausgeraubt wurden. Na, gute Nacht, da haben wir ja noch mal Glück gehabt. Auch wenn ich in meinem Zu-Fuß-Anstieg bei +25% ein gutes Opfer abgegeben hätte. Aber wahrscheinlich war mein finster blickendes Gesicht (siehe Film) ein guter Abwehrmechanismus. Fakt ist, Wikipedia erzählt, dass in meinem fernen Geburtsjahr 1962 ein englisches Ehepaar dort ermordet wurde. Nun aber zu positiveren Gedanken. Heller Tag. Sonne. Einsamer Anstieg, ohne Autos, wunderbare Bergwelt. Dann Abfahrt und noch 60km flach. Wir lassen die Gruppe fahren. Es ist uns zu hektisch. Gemütlicher gondeln wir gegen Dorgali. Die letzten 10 Kilometer geht es nochmal hoch. Muss das sein? Im Dunkeln ziehen sich die Aufwärtsmeter zudem. Eine Qual. Aber das Bett wartet. Im Hotel dann die Nachricht, unser Zimmer ist ein Vierbettzimmer. Es gibt keine Diskussion. Und es kommt, wie es kommen muss. Ich bin gerade eingeschlafen, da kommt der dritte Mann. Er bewegt sich zwar vorbildlich leise, das höre ich sogar durch meine Ohrenstöpsel, aber mit meinem Schlaf ist es vorbei.
Schnelles Frühstück mit allerhand Köstlichkeiten und auf geht es. Die nächste Nacht lockt. Die Fährenüberfahrt mit ausreichend Schlaf – hoffentlich. Aber es gilt noch pünktlich um 16.00 in Cagliari anzukommen. Nicht auszudenken, die Fähre zu versäumen.
Ab Dorgali geht es dieselbe Strecke zurück und ich staune. Ganz anders als in meiner Vorstellung in der Finsternis der ersten Nacht. Zunächst müssen wir wieder auf den Passo di Genna Silana. Da wir einige Höhenmeter ja schon vor der Mini-Schlafpause erledigt haben, sind es nur noch an die 600 m. Hermann ist noch mit seiner Packtasche15 beschäftigt und so fahre ich schon mal voraus. Stockfinster. Die Steigung angenehm. Hätte mir nicht gedacht, dass es so leicht geht. Weiter oben beginnt Wind zu blasen. Und zwar ganz schön stark. Die Straße schlängelt sich nach oben. Je nach Fahrt-Richtung muss ich schauen, dass ich auf dem Bike bleibe. Die Hände krampfhaft am Lenker überlege ich nach dem ersten Fast-Abwurf schon, ob ich nicht zu Fuß gehen sollte. Dann bin ich oben. Hermann hat aufgeschlossen. Bei der Abfahrt fängt es an leicht zu regnen. Das hatte der Wetterbericht aber nicht vorausgesagt. Bis auf eine Regenjacke habe ich nichts mit. Es kommen zum Glück nur sporadisch ein paar Tropfen. In Torri di Bari gibt es wieder das leckere sardische Frühstück mit Obst, Käse, Ricotta, Artischockenaufstrich, Honig, Orangenmarmelade und nicht zu vergessen das „pane 3carasau“, ein hauchdünnes Fladenbrot. Ich bin begeistert von den Angeboten an den Kontrollstellen.
Hermann wird schon leicht nervös, als er meinen hoch beladenen Teller sieht. Wie lange wird denn diese Pause?
Weiter, die Zeit drängt. Noch 124 km und der lange Anstieg durch das Vallico Arcu e Tidu und zuvor noch irgendein Mugel, aber etwa 90 km Abfahrt und flach. Unser Weg ist gesäumt von Hunderten von Kaktussen. Hohe mit riesengroßen Ohren. Und großen spitzigen Stacheln. Ab und an liegt schon mal so ein abgebrochenes Ohr auf der Straße. Hoppala, wenn man da darüberführe, dann ist die Reifen-Panne wohl vorprogrammiert. Mein Rad schießt mit den grünen Riesen einen Pakt: Lasst ihr mich in Ruhe, dann lasse ich euch in Frieden. Sonst haue ich euch in Stücke oder sagen wir mal fahre ich euch ein Ohr ab. Ich bin ruhiger – ich fahre Tubeless.
Das Arcu e Tidu-Tal haut mich fast um. Die Straße schlängelt sich in angenehmer Steigung durch Felswände.
Dann die letzte Abfahrt und noch ein paar Kilometer flach, die mir reichlich auf die Nerven gehen.
Endlich da. Wir haben etwa eine Stunde Zeit, bevor wir zum Hafen aufbrechen müssen. Duschen verschiebe ich auf die Fähre und bepacke meinen Drahtesel mit dem Notwendigen für die nächsten 600 Kilometer.

SCHLAFPAUSE AUF DER TIRRENIA-FÄHRE ARIADNE:
Unsere Belegung der Viererkajüte sammelt sich um gemeinsam die 16 km zum Hafen zu fahren. Ich freue mich schon. Duschen, dann etwas chillen, dann Abendessen. Beim Briefing war erwähnt worden, dass wir auf dem Schiff vollständig einchecken müssen. Nein, stopp, unser dritter Mann fehlt. Irgend jemand weiß, dass dieser noch gemütlich 4duschen möchte und sich kurz aufs Ohr legen. Am Hafen dann die bittere Wahrheit: Die Klein-Gruppen dürfen wirklich nur vollständig an Bord. Ein großes Chaos bricht aus, denn die meisten wissen nicht mal, wer ihr Schlafpartner ist. Wir drei auf jeden Fall braten fast zwei Stunden in der Sonne und warten, warten, warten. Ich kann nur sehnsüchtig auf die Grüppchen blicken, die sich glücklich zum Check-In aufmachen können.
Irgendwann taucht dann unser Vierter gelassen auf, versteht unsere Aufregung nicht ganz. Nachdem wir unsere Drahtesel in den „Stall“ gebracht haben und angehalftert – die Räder werden mit Stricken an ein Geländer gebunden, dass es keinen „Umfall“ gibt bei gelegentlichem hohen Seegang.
Duschen. Frisch anziehen. Dann dränge ich meine Mitbewohner JETZT zum Abendessen zu gehen. Das geht recht relaxt vonstatten. Die Auswahl ist nicht übel. Dann Abmarsch ins Bett. Ich staune: vor dem Büfett eine fast kilometerlange Schlange. Mitradler erzählen am nächsten Tag, sie seien fast zwei Stunden angestanden. Puh! Glück gehabt! Um neun Uhr lagen wir alle vier nämlich schon in den Kojen. Ich glücklich mit neuen perfekt sitzenden Ohrenstöpseln versorgt – von unserem vierten Mann … das versöhnt mich und schenkt mir ganze neun Stunden Schlaf. Sizilien kann kommen.

LA SICILIA:
Nach dem Schiffs-Frühstück und kurzer Rad-Anfahrt zum Hotel geht es nahtlos auf die Strecke. Aus Palermo raus ist für mich Chaos pur. Autos links und rechts mit Beulen in der Karosserie (Radfahrer?), schlechte Straße, Hektik pur. Nach etwa 10 km wird es 5ruhiger und bald geht es ins Landesinnere. Die ersten beiden Etappen mit 100 km und beide an die 2000 Höhenmeter haben mir schon im Vorfeld Angst gemacht. Aber die Landschaften sind so vielfältig und wunderschön, dass die Strapazen (fast) vergessen werden. Die Natur gibt alles. Blütenpracht rundherum in sattem Grün. Ich frage mich, wie es hier im Sommer sein wird. Wir passieren Dörfer, sich auf Hügel duckend und an Felswände geklebt. Mittelalterliche Reisende hatten sich dieselben Aussichten. Vor der ersten Kontrollstelle beginnt Wind, besser gesagt starke Windböen. Erwischen sie einen an der Breitseite, gibt es das Gefühl geschubst zu werden. Ich verlangsame und fahre teils in Schritt-Tempo. Zum Glück kommt der Wind meist von hinten. Nicht auszudenken, wenn der uns von Vorne ausbremsen würde. Kal5at ist er zudem auch noch. Ich wage nicht an den nächsten Tag an der Küste zu denken, wenn wir dem Lüftchen die Stirn bieten müssen.
In Castellana Sicula werden wir von Helfern in wunderschön bunter Tracht empfangen. Und es gibt leckere Nudeln. Allerdings keinen Nachschlag. Noch hungrig ziehen wir weiter. Vorbei geht es in stetem Auf und ab an spektakulär gelegenen Dörfern Petralia Soprana, Gangi, Sperlinga. In Nicosia gönnen wir uns eine Eis-Pause in einer pasticceria. Ausgehungert stürzen wir uns auf Pizza und das leckere traditionelle Gebäck, die Cannoli. Auf unserer Weiterfahrt taucht auf einmal wie aus dem Nichts vor uns der Ätna auf. In Sonnenuntergangsstimmung. Atemberaubend.
Wieder fahren wir in die Nacht hinein. Müdigkeit macht sich breit bei mir. Noch ein paar Kilometer durchhalten bis Cesaró. Hier gibt es eine Spezialität: Arancini. Eine Pilzfülle oder anderes wird mit Reis umhüllt und frittiert. Wir stürzen uns auf die 6hellbraunen faustgroßen Kegel. Sodbrennen bei mir vorprogrammiert. Dann werden wir wieder in die Nacht entlassen. Die Aussicht auf ein Lager lässt uns fest in die Pedale treten. Irgendwann gegen Mitternacht sind wir dann da – in Linguaglossa am Fuße des Ätna. Überraschung, wir sind in einem Kloster untergebracht, haben Zimmer mit Dusche. Noch schnell Essen am Büfett und dann unter die Dusche und in die Heia. Es ist allerdings bitterkalt in den Zimmern und mir reicht eine Wolldecke bei weitem nicht, um einzuschlafen. Bibbernd liege ich wach, der Wind rüttelt zudem an den Fensterläden, irgendjemand schnarcht. Die Ohrenstöpsel sind sicher in der Satteltasche meines Rades verstaut … Irgendwann muss ich doch weggedämmert sein. 6aWerde aber sofort wieder aus dem Schlaf gerissen. Jemand klopft an die Tür. Ist es schon Viertel nach drei? Nein, viertel vor … Ärger! (Daniel erzählt nachher, dass es sein Kollege war, warum auch immer). Offenbar ist Schlaf für mich wohl wieder mal Fehlanzeige, wie auf jeder Randonnée.
Die ersten 10 Kilometer Abfahrt eiere ich durch die Nacht. Ich zittere wie Espenlaub und das überträgt sich auf meinen Lenker. Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt, 5°C. Etwa bei Taormina wird es wieder Tag und die Temperaturen steigen glücklicherweise. In den Tag hineinfahren hat immer was Magisches an sich. Die Sonne geht über dem 7Festland Italien auf. Bald wird die Straße schlechter und Verkehr setzt ein. Von Ampel zu Ampel bewegen wir uns in einer Kolonne von etwa 10 Stadt-Bussen. Da ist wohl gerade Dienstantritt. In Messina. Ich freue mich auf die Kontrolle. Frühstück angesagt. Aber es gibt leider nichts bzw. nichts Kostenloses, nur den Stempel. Kurz eine colazione alla italiana mit Cornetto alla crema und Latte Macchiato, dann weiter. Für mich sind die nächsten 50 Kilometer die Hölle pur: Ein Dorf reiht sich an das andere, viel Verkehr, übelste Straßenbeläge. Wenn ich hinter mir ein Auto ahne, erhöht sich sofort mein Puls um gefühlt 100 Schläge, mein ganzer Körper verkrampft sich und ich wähne mich schon 8unter den Rädern. Die Beulen an der Karosse jeden zweiten Autos sprechen Bände. Vor der nächsten Kontrolle ein saftiger Anstieg nach Tindari. Dieser ist überraschenderweise der angenehmste Teil dieser Etappe. Verkehrsberuhigt. In Marina di Patti gibt es wieder mal was umsonst: Couscus oder überbackene Nudeln mit Melanzane. Lecker, aber wieder mal abgezählt und viel zu wenig. Ein Problem, denn heute ist Sonntag und nachmittags sind keine Geschäfte offen. Hätten wir das gewusst, dass die Verpflegung sizilianischen Kontrollstellen entweder nicht vorhanden ist oder so mager ausfällt, hätten wir vorgesorgt, aber so bleibt der Hunger unser Begleiter, denn in Santo Stefano gibt es nur 9eine Flasche mit Wasser. Dafür entschädigt uns die Panorama-Strecke. Entlang der Küste mit traumhaften Blicken auf die Meeresbrandung und gegenüber begleitet uns die Aussicht auf die Eolie, die Äolischen Inseln mit Lipari, Vulcano und weiter entfernt Stromboli. Dieser hat ständig ein Wölkchen über seinem Gipfel, schaut aus wie eine Rauchwolke. Fakt ist aber, dass es am Kraterrand halbstündig kleine Eruptionen gibt. Da fliegen die Steinbrocken durch die Luft und bieten vor allem nachts ein feuerglühendes Spektakel. Uns angeschlossen hat sich ein ganzer Trupp und wir düsen die Küste entlang. Ich genieße die letzte Etappe. Zumindest bis Cefalu. Dort eine jähe Unterbrechung: Daniel steht am Straßenrand und deutet auf sein Schaltwerk. 11Schaltkabelriss. Was nun? Fabio nimmt sich der Sache an. Das Schaltwerk wird mit Kabelbindern fixiert und weiter geht es. Der arme Daniel hat nur noch den höchsten Gang zur Verfügung und es sind noch an die 900 Höhenmeter zu überwinden. Es wird nach einem traumhaften Sonnenuntergang wieder Nacht. Ob wir es in unserer Kleingruppe wohl schaffen bis Mitternacht? Der Verkehr nimmt stark zu. Das sind wohl die Heimkehrer nach einem Tag am Strand. Eine steile Serpentinenpassage in Termini Immerese legt Daniel kurz entschlossen barfuß zurück, im Laufschritt. Verrückt, der Kerl! Auf jeden Fall gewinnt er um Radlängen alle „Bergwertungen“. Die letzten Kilometer hinein nach 12Palermo stellte ich mir ruhig vor. Wer wird denn Sonntag-Abend noch unterwegs sein … Denkste! Der reine Horror. Vielleicht mache ich mir nicht mehr so viel draus, weil mein Körper nach über 1200 Kilometern nur noch auf Sparflamme funktioniert, da ist für Angst keine Energie mehr übrig. Ich bin dennoch erleichtert, als wir vier, Daniel, Fabio, Hermann und ich, gegen 23 Uhr die Ziellinie überqueren. Eine Traum-Reise ist einerseits glücklicherweise aber auch leider zu Ende.
Nachdem ich 2015 nach den 1200 km der Paris-Brest-Paris geschworen hatte „Nie, nie wieder!“ ist das seither schon die fünfte Langstrecke (1200 – 1600km). Und die nächsten schon in Planung. Wer hätte das gedacht? Der Flair aber, der von diesen Unternehmungen ausgeht ist einfach sagenhaft: kein Rennstress, gemeinsames Erleben (immer), gemeinsames Leiden (manchmal), gegenseitige Hilfsbereitschaft, sich in der freien Natur zu bewegen (meistens), einfach eine schöne Gelegenheit Gegenden kennen 14zu lernen (intensiver als mit dem Auto).
Danke an Daniel, der mich in der Nacht vor Cesaró abgelenkt und wach gehalten hat und an Fabio, der nach Daniels Panne uns nicht verlassen hat.
Danke an die Organisatoren und alle Helfer, dass ihr uns ein so einmaliges Erlebnis geschenkt habt.
Die 6+6 Isole gehört zum Viererkleeblatt L’ITALIA DEL GRAND TOUR mit 1001Miglia, Alpi4000 und 999Miglia. Hermann hat mit der 6+6 nun die Serie abgeschlossen, mir fehlt noch die 999miglia.17

Bis zum nächsten Mal!

 

 

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5 Kommentare zu „Radfahren vom Feinsten: 6+6 Isole

  1. Mensch, das ist ja ein Hammerartikel…Respekt!!!
    Mir begegnen hier im Raum Ammerland/Ostfriesland viele Radfahrer von weit her, weil die Gegend hier für Radtouren mit Zwischenstops und Übernachtungen manches anzubieten hat. So zB aus ein älteres Paar aus der Schweiz auf einer Tour durch Ostfriesland oder einen anderen Schweizer auf der Durchreise nach Schweden. u.v.m….
    Der Vorteil besteht hier u.a. darin, dass wir keine Berge haben.
    Deshalb werbe ich für das Radfahren. Bei Interesse:
    https://4alle.wordpress.com/2018/10/24/ride-your-bike-like-your-bike-pt-1/
    Weiteres soll folgen..
    Ich wünsche euch einen schönen Monat Mai!!
    Jürgen aus Loy (PJP)

  2. Mensch Gabi!!!

    Ich bin einfach begeistert. Nicht nur von Deiner/Eurer sportlichen Leistung, sondern auch mal wieder von der Art und Weise, wie Du das Erlebte in Deinen Berichten an Deine Leser weitergibst. Ich hätte noch ewig lange lesen können. Das Video ist ja schon fast eine Dokumentation.

    :).Auch wenn Du danach sehr kaputt bist möchte ich das Du mehr fährst, damit noch viele Berichte folgen. Ich wünsche Dir erfolgreiche aber kurze Erholung, damit der nächste Ausflug mit anschließendem Bericht bald folgt!  🙂

  3. Einfach nur großartig. Für mich unvorstellbar, so etwas zu machen, umso mehr erfreue ich mich über deine Berichte.
    Liebe Grüße aus Düsseldorf,
    Andreas

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